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Muss McLaren Mercedes die Formel 1 verlassen?

By Emeli Dean

Das britische Motorsport-Rennteam McLaren Mercedes muss wegen der „Lügen-Affäre“ nun um ihren Platz in der Formel 1 bangen. McLaren gilt als eines der erfolgreichsten Teams in der Formel‑1‑Geschichte und gewann seit ihrem ersten Grand Prix in Monaco im Jahr 1966 zwölfmal die Fahrer-WM und acht Meisterschaftstiteln in der Fahrerwertung.

Jüngster Erfolg war der WM-Sieg 2008, den sich der britische Rennfahrer Lewis Hamilton als jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte holen konnte. Nachdem das Team fast zehn Jahre lang im Schatten des erstklassigen italienischen Rennstalls Ferrari gefahren ist, war dieser Sieg mehr als nur ein Erfolg. Das Finalrennen der Saison 2008 war wohl das spannendste Finale seit vielen Jahren und bei McLaren konnte man das Glück kaum fassen. Das Team war überwältigt und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erklärte in einem Interview: „Was für ein Rennen, so was gab' s noch nie, meine Nerven! Das ist großer Sport gewesen. Jetzt sind wir Weltmeister und ich glaube, wir haben es verdient. Man muss das jetzt erst einmal auf sich wirken lassen.“

Nachdem die Saison 2007 von der Spionage-Affäre, bei der technische Daten rechtswidrig weitergegeben worden waren, überschattet wurde muss sich das Team nun wieder einmal dem Urteil des Automobil-Weltverbandes FIA stellen. Damals war das Team noch mit einem blauen Auge davon gekommen und musste sich lediglich von den Punkten in der Konstrukteurswertung und rund 100 Millionen US$ (etwa 72 Millionen Euro) verabschieden. Die damaligen Fahrer Alonso und Hamilton durften ihre Punkte glücklicherweise behalten.

Diesmal droht ihnen wegen der „Lügen-Affäre“ jedoch das Aus in der Formel 1. Beim ersten Rennen der Saison, dem Großen Preis von Australien am 29. März 2009, kam es beim Kampf um Platz zwei zu einer Kollision zwischen Kubica und Vettel, welches eine zweite Safety-Car-Phase in diesem Rennen auslöste. Zu diesem Zeitpunkt fuhr der Brite Hamilton hinter dem italienischen Toyotafahrer Jarno Trulli, der wegen eines technischen Problems aufs Grün fährt. Hamilton fährt an ihm vorbei, soll aber im gleichen Moment die Mitteilung aus seiner Box bekommen haben, dass dies ein rechtswidriger Zug gewesen sei, deshalb lässt er den Italiener, der wieder auf der Spur ist, vorbei. Trulli gab später an, dass Hamilton fast stehen geblieben war und er dachte, Hamilton hätte ein Problem mit seinem Wagen. Nachdem Trulli an Hamilton vorbei war, gab dieser wieder Gas, was die Rennleitung in dem Glauben ließ, dass Trulli unerlaubt überholte ­und ihn dafür bestrafte. Er wurde vom dritten auf den zwölften Rang zurückgestuft und Lewis Hamilton rückt im McLaren- Mercedes aufs Podest.

Natürlich blieb es nicht dabei und es wurde von Toyota Beschwerde eingelegt, deshalb wurde die Sache genauer unter die Lupe genommen, wobei die Funkanweisung an Hamilton zunächst verschwiegen und später ganz abgewiesen wurde. Laut der FIA tauchte vier Tage nach dem Rennen ein neuer Aspekt in Bezug auf den Vorfall auf und man disqualifizierte Hamilton und McLaren-Mercedes aus dem Auftaktrennens nachträglich. Die Rennleitung fühlte sich absichtlich in die Irre geführt und war dementsprechend sauer.

Bei einer weiteren Pressekonferenz gab Hamilton nun bekannt, dass es tatsächlich Anweisungen seines Rennstalls gegeben hat und er von McLaren-Sportdirektor Dave Ryan aufgefordert wurde, keine Informationen zu diesem Fall preiszugeben. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh gab mit einer Entschuldigung den Rauswurf von Ryan bekannt: „Ryan habe eigenmächtig gehandelt und Hamilton zur Falschaussage überredet und hat dem Team großen Schaden zugefügt. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Wir haben von allem nichts gewusst.“

Nun wartet das Team auf ein weiteres Urteil der FIA. Bei einer außerordentlichen Sitzung des Weltrates am 29. April in Paris wird über die Zukunft des britischen Rennstalls verhandelt. Die Strafmöglichkeiten der Renn-Funktionäre reichen von einer Geldbuße bis zum WM-Ausschluss, wobei der ehemalige Formel‑1‑Fahrer und RTL-Experte Christian Danner das schlimmere Ende für das Team befürchtet.

Über den Autor:
Emeli Dean ist eine hochrangige Verfasserin für Sportartikel in der Formel 1. Finden Sie weitere Artikel der Verfasserin unter www.instantactionsports.com

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